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Was meine hier gezeigten keramischen Arbeiten betrifft, läßt sich meine Vorliebe für Teeschalen sogleich erkennen.

Seit einem weit über zehn Jahre zurückliegenden Besuch im Museum für Asiatische Kunst Berlin, Ostasiatische Sammlung, hat sich diese Vorliebe erhalten und sogar noch verstärkt, nachdem sie bei einem Blick in eine Ausstellungsvitrine, in der japanische Teeschalen zum Gebrauch innerhalb der japanischen Teezeremonie, chanoyu, gezeigt wurden, wie aus dem Nichts entstanden war.

 

Zu Beginn meines Ausstellungsrundgangs hatten Bronzen der Shang-Dynastie und chinesische Blau-Weiß-Porzellane meine Bewunderung hervorgerufen und mir allen Respekt vor den künstlerischen und handwerklichen Leistungen abgefordert. Angetan von Ehrfurcht betrat ich die japanische Abteilung, der Kontrast konnte wohl kaum größer auf mich wirken: schiefe, schroffe, ja ungeschickt wirkende Schalen bevölkerten unverdrossen ihrer Unansehnlichkeit den Schaukasten! Ich näherte mich einer weißen Shino-Schale und bemerkte drei deutliche Risse in der Gefäßwand, ein Fall für den Restaurator, sagte mir mein erster Blick. Mit heraufziehendem Unmut stellte ich mir die Frage, was diese Objekte überhaupt in einer Museumspräsentation zu suchen hätten.

 

Doch dann begann sich eine Wandlung zu vollziehen - mein durch die zuvor betrachteten Ausstellungsstücke angeregter Schönheitssinn wandte sich auf den zweiten Blick nicht mehr von diesen Schalen ab, sie bestanden plötzlich neben Bronzen und Porzellanen. Alles, was ich beim ersten Anblick noch als unkünstlerisch verurteilen wollte, sprach mein Gefühl jetzt in unmittelbarer Weise an. Wenige Augenblicke später war ich fasziniert. Welches Geheimnis lag dieser Wirkung wohl zugrunde? Das wollte ich nun entdecken. So begann ich meinen Weg als Keramiker, seitdem schreite ich auf diesem Weg voran.

 

Wie bei jedem Neuanfang war meine Ahnungslosigkeit umfassend, vollendet erschienen allein meine Fehler, aber eine bei meinen langjährigen Bemühungen gewonnene Beständigkeit ließ keine Aufgabe meiner Absichten zu. In den Jahren meiner Selbstausbildung zeigte sich, dass eine rein handwerkliche Herangehensweise mich nicht zum Ziel führen würde. Ich benötigte auch die intellektuell-geistige beziehungsweise künstlerisch-ästhetische Annäherung. Kenntnisse der Keramikgeschichte, Geschichte der östlichen Philosophie, hier insbesondere des ZEN, und die Geschichte und Praxis der japanischen Teezeremonie beförderten meinen Weg. So war es nur folgerichtig, dass ich selbst begann, den Teeweg, chado, zu gehen. Meine keramischen Ambitionen eine meisterhafte Schale herstellen zu wollen, rückte in weitere Ferne denn je, weil ich erkennen mußte, dass  das Kriterium des Gewollt-Seins genau die Ergebnisse ausschloß, die ich mir ursprünglich vorgestellt hatte. Das Streben nach absichtslosem Handeln auf dem Teeweg entfernte mich zwar auf der einen Seite von meinem Ziel, näherte mich diesem aber zugleich an, indem es das Gebiet, auf das ich meine Bemühungen fortan richtete, eingrenzte. Es waren Keramiken für den wabi-cha mit ihrer besonderen Schlichtheit, ihrem unvollendeten Erscheinen, ja ihrer Verschrobenheit, deren Verwirklichung ich seither verfolgte.

 

Damit legte ich mich auch weitgehend in der keramischen Technik fest und richtete mein Augenmerk auf das Raku-Verfahren, das im 16.Jhd. erfunden worden war, um das Postulat des Wabi-Sabi-Gedankens eines Sen o Rikyu in der Teekunst zu erfüllen.

 

Aber so wenig wie ein Gedanke einen verbindlichen Maßstab vorgibt, so wenig führt die Anwendung einer speziellen Herstellungstechnik zu Ergebnissen, die als eigenständig, aus sich heraus verständlich und somit als „lebendig“ bezeichnet werden können. Hinzu kam die Akzeptanz der Zufälligkeit, die in jeder originär japanischen Keramikgattung ihren Platz einnimmt, deren Verinnerlichung mir schwer fiel und weitere Jahre des Experimentierens und Lernens aufgab.

 

Ich glaube heute, dass ich in den vielen Jahren meiner Beschäftigung zu einem ungefähr zwei Jahre zurückliegenden Zeitpunkt einfach vergessen hatte, welchen Vorbildern ich überhaupt nacheiferte.

 

Da gelangen meine ersten Stücke. Die Anmutung der Formen und die Erscheinung der Glasuren vereinigten sich zu einem Ganzen, die ersten Schalen begannen zu „leben“.

Denkkategorien wie Zielerreichung oder Erfolg hatte ich da wohl auch schon hinter mir gelassen, denn ich fühlte mich beim Töpfern eher so, als sollte ich der Entstehung einer Teeschale nicht im Weg stehen, sondern dabei lieber behilflich sein.

Für diese Hilfe erntete ich dann reichen Dank, wenn eine Schale beim Schlagen des Tees einen angenehmen stillen Klang hervorbrachte oder dem Teegast eine leise Freude anzumerken war, weil sie seiner Hand schmeichelte.

 

Wohl wissend, dass der optische Eindruck eher eine Vermutung andeutet als eine Gewißheit bringt, ob es sich überhaupt um eine für den wabi-cha geeignete Teeschale handelt, gebe ich den Blick für den Betrachter nun dennoch frei mit der Hoffnung, ein weiteres Interesse nach dem ersten Augenschein hervorzurufen.

 

Ich bedanke mich für die Zeit, die Sie sich für den Besuch meiner Website nehmen und wünsche Ihnen viel Freude!

 

Ihr

Stephan Dunsbach

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